Im „Jour Fixe“ stellen CU-Mitglieder üblicherweise ihre Projekte und Technologien zu einem aktuellen Thema vor. Beim Termin am 18. Mai 2026 wurde die neue EU-Förderung für Verbundwerkstoff-Projekte vorgestellt und mit rund 20 Teilnehmern diskutiert. Die Veranstaltung hatte das Ziel, insbesondere KMU über die Möglichkeiten von EU-Projekten zu informieren.
„KMU fühlen sich von EU-Programmen zur Innovationsförderung häufig überfordert. Mit Unterstützung sind EU-Förderprojekte für KMU gut machbar: Die nationalen Kontaktstellen der EU beraten bei der Antragstellung, EEN-Büros suchen europaweit Partner und große Forschungsinstitute übernehmen die Antragstellung und die Projektkoordination. Der Composites United begleitet seine Mitglieder ebenfalls bei Förderprojekten“, so Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer CU West, in seiner Begrüßung.
Im Rahmen des 40. Jour Fixe stellten Expertinnen und Experten ihre Unterstützungsangebote und Erfahrungen für die neue EU-Förderung für Verbundprojekte vor:
Einführung in das EU-Forschungsrahmenprogramm
Das Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe (IVW) unterstützt Industrieunternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von kunststoffbasierten Composites, den chemischen und werkstofflichen Grundlagen über die Charakterisierung und Simulation, die Bauweisen und die Fertigungstechnik bis hin zum Bauteilversuch und Recycling sowie zur Digitalisierung. Mit mehr als 50 EU-Projekten seit dem 4. EU-Forschungsrahmenprogramm und zwei koordinierten Projekten verfügt Frau Dr. Bittmann-Hennes als EU-Forschungsmanagerin vom IVW über umfassende Erfahrungen. EU-Projekte bieten eine große internationale Sichtbarkeit zur Erweiterung des eigenen Netzwerks und zur Erschließung neuer Märkte und Kunden. Durch eine Förderung von bis zu 100 % wird das Risiko für die Erprobung neuer Ideen deutlich reduziert. Darüber hinaus ist der interkulturelle Austausch mit den Projektpartnern eine wertvolle persönliche Erfahrung.
Das EU-Forschungsrahmenprogramm Horizont Europa hat drei Säulen, wobei bei dieser Veranstaltung die zweite Säule mit klassischen Verbundprojekten zu globalen Herausforderungen und industrieller Wettbewerbsfähigkeit mit einem ihrer Schwerpunkte auf Digitalisierung, Industrie und Weltraum im Mittelpunkt stand. Es werden Projekte mit mindestens drei Partnern aus drei Mitgliedsländern gefördert und für diese Säule stehen bis 2027 53 Mrd. Euro zur Verfügung.
Referentin: Dr.-Ing. Birgit Bittmann-Hennes, EU-Forschungsmanagerin, Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe, birgit.bittmann@leibniz-ivw.de
EU-Förderung für Verbundwerkstoffprojekte
Ingo Rey von der Nationalen Kontaktstelle Digitale und Industrielle Technologien (NKS DIT) stellte mehrere aktuelle Ausschreibungsthemen aus dem Förderprogramm Horizont Europa der EU-Kommission vor. Im Rahmen dieser Ausschreibungen können Anträge für Verbundforschungsprojekte mit dem Fokus auf Fertigungstechnologien sowie zu recycelbaren Polymeren und Verbundwerkstoffen eingereicht werden. Er erläuterte in seinem Beitrag die besondere Eignung der Ausschreibungen für kleine und mittlere Unternehmen und verwies darauf, dass in den bisherigen Ausschreibungen zu den industriellen Technologien mehr als 26 % der von der EU-Kommission bereitgestellten Fördermittel an KMU gegeben wurden.
Ingo Rey bietet mit seinen Kolleginnen und Kollegen ein breites Spektrum an Serviceleistungen. Dazu gehören u. a. eine Webseite mit Informationen zu den Ausschreibungen der EU-Kommission in den Bereichen digitale und industrielle Technologien, ein regelmäßig erscheinender Newsletter, Projektideenchecks, Antragsprüfung sowie Unterstützung bei der Partnersuche. Die NKS DIT wird vom BMFTR finanziert, ihr Service ist für die Antragstellenden kostenlos und die individuelle Antragsberatung streng vertraulich.
Referent: Ingo Rey, NKS DIT, Projektträger Jülich – PtJ, Forschungszentrum Jülich, i.rey@ptj.de
Weitere Informationen: https://www.nks-dit.de/
Erfahrung als KMU in EU-Projekten
Die Invent GmbH entwickelt und produziert seit 30 Jahren Komponenten für die Luft- und Raumfahrt und für die Industrie. Das Unternehmen beteiligt sich an EU-Projekten, um seinen Kunden auf hohem Innovationsniveau gegenüber treten zu können.
EU-Projekte bieten wichtige Vorteile für KMU:
- große Themenvielfalt in den Arbeitsprozessen
- völlig neue Vernetzung mit Partnern aus der EU
- Möglichkeiten der Projektförderung jenseits nationaler Programme
Dem stehen Herausforderungen gegenüber:
- Administration und Bürokratie sind nicht zu unterschätzen
- Projektsprache ist Englisch
- teilweise große Konsortien
- termingebundene Lieferpflichten
Mit erfahrenen Projektpartnern ist eine Beteiligung von KMU an EU-Projekten gut zu bewältigen und wer einmal erfolgreich an einem Projekt teilgenommen hat, wird immer wieder für neue Projekte angefragt.
Referent: Maik Wonneberger, Bereichsleiter Innovation, Invent GmbH, maik.wonneberger@invent-gmbh.de
Enterprise Europe Network – ein europaweites Unterstützungsnetzwerk für innovative KMU
Das Enterprise Europe Network (EEN) ist bei der Innovationsagentur Rheinland-Pfalz angesiedelt, deren Aufgabe die Unterstützung von KMU bei FuE-Aktivitäten mit einem breiten Dienstleistungsangebot ist. Die Innovationsagentur unterstützt KMU dabei, Wissen in die Anwendung zu bringen. Das EEN vermittelt europaweit Technologie- und Forschungskooperationen. Das geschieht über eine Kooperationsdatenbank und die persönliche Vermittlung in den Ländern. KMU, die sich mit Technologiekompetenz an EU-Projekten beteiligen möchten, können ihr Angebot über das EEN einbringen. Eine häufige Aufgabenstellung ist die Suche nach der geeigneten Förderung aus den regionalen, nationalen und EU-Förderprogrammen für ein konkretes Vorhaben und die anschließende Antragsbetreuung. Darüber hinaus bietet die Registrierung als Experte für die Antragsbegutachtung in der EU-Datenbank die Möglichkeit, die eigene Antragskompetenz zu erweitern.
Referentin: Gabriele Nelles, Enterprise Europe Network, Innovationsagentur Rheinland-Pfalz, mailto:nelles@innovationsagentur-rlp.de
Composites United (CU) und Composites United Leichtbau-Forschung gGmbH (CU-LF)
Der CU initiiert und koordiniert gemeinsam mit der CU-LF Innovationsprojekte entlang der gesamten Composites-Wertschöpfungskette in den Technologiefeldern Design und Engineering, Effizienz und Nachhaltigkeit, Produktionssysteme sowie in den Bereichen Bildung, Netzwerk und Internationalisierung. Seit 2012 wurden 50 Projekte mit einem Budget von 600 Mio. Euro vom CU im Start unterstützt und während der Projektlaufzeit begleitet. Dabei wurden Förderprogramme auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene genutzt. Der CU steht KMU von der Ideenentwicklung über die Partnersuche, die Antragstellung bis hin zur Projektbegleitung zur Verfügung.
Diskussionsleitung: Martin Kretschmann, Projektmanager, Composites United, mailto:martin.kretschmann@composites-united.com
Aus der Diskussion:
- Der Vermittlungsaufwand, um ein Unternehmen an die EU-Förderung heranzuführen, ist überschaubar.
- Die Idee für ein Projekt ist wichtig: Was kann erreicht werden, wenn das Projekt erfolgreich ist? Die Formalitäten werden überwunden, wenn die Projektidee gut ist.
- Ein erfahrender Projektkoordinator kann unerfahrene Projektpartner mitnehmen und beim Ausfüllen der Antragsunterlagen niederschwellig anleiten.
- Pitching-Veranstaltungen, wie vom EEN unterstützt, bieten gute Möglichkeiten, Projektpartner zu finden.
Abschließend bot Martin Kretschmann Unterstützung bei Projektvorhaben sowie die Vermittlung von geeigneten Kontakten aus dem CU-Netzwerk an.
Ansprechpartner für Ihre Anliegen und die Veranstaltungsreihe ist Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer CU West: heinz.kolz@composites-united.com

















