Verbundwerkstoffe spielen in vielen Anwenderbranchen eine zunehmende Rolle. Der Composites United (CU) – das führende Netzwerk für faserbasierten hybriden Leichtbau – möchte den Austausch mit Anwenderbranchen intensivieren und hierfür Mitglieder und Gäste aus verschiedenen Branchen ins Gespräch bringen, um Ideen für neue Anwendungen und Technologien zu diskutieren. Im Rahmen der digitalen Veranstaltung „Verbundwerkstoff trifft Marineschiffbau“ am 02. März 2026 diskutierten rund 70 Teilnehmende aus Industrie, Forschung und Entwicklung über aktuelle Anforderungen und Zukunftsperspektiven für Verbundwerkstoffe im Marineschiffbau. Die Veranstaltung fand gemeinsam mit dem Partnernetzwerk Marilight, dem Cluster für maritimen Leichtbau und dem Verband für Schiffbau und Meerestechnik statt.
„Verbundwerkstoffe bieten eine Reihe von Vorteilen für den Marineschiffbau. Leichtbau senkt das Gewicht, verbessert die Stabilität, spart Treibstoff und erhöht das Zuladegewicht. Steifigkeit ist besonders für Aufbauten wichtig. Die hohe Flexibilität in der Formgestaltung bietet Vorteile gegenüber Metall. Hitzeschutz, Brandschutz und Korrosionsbeständigkeit sind wichtige Eigenschaften und Radarabschirmung macht U-Boote unsichtbar“, so Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer von CU West, in seiner Begrüßung.
Faserverbundwerkstoffe als Enabler für die leistungsfähigen Marineschiffe der Zukunft
Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik unterstützt die 850 Unternehmen mit einer Fülle praktischer Dienstleistungen und ist die Interessenvertretung der Branche. MariLight.Net, die Partnerorganisation von Composites United im Leichtbau, bietet als Innovationscluster Kontakte und koordiniert Förderprojekte.
Neben den Leichtbauvorteilen wie Treibstoffeinsparung und bessere Stabilität ist der geringe Tiefgang in der Ostsee und in Küstengewässern ein zentraler Aspekt. Die sehr hohen Anforderungen an Schlag- und Schockresistenz (bei Explosionen) können mit Metallstrukturen oft nicht erreicht werden. Die Marine stellt hohe Anforderungen an die Senkung der Signaturen von Schiffen, wie Radar, Infrarot, magnetische, thermische, elektromagnetische und Akustik. Korrosionsschutz bietet eine lange Lebensdauer. In der Bandbreite der Anwendungen bis hin zu Mininenbooten, Landungs- und Rettungsbooten werden Stahlrümpfe mit Aufbauten aus Verbundwerkstoffen kombiniert. Schiffe der schwedischen Visby-Class sind komplett aus Verbundwerkstoffen gebaut. Herausforderungen an Systemlieferanten von Verbundwerkstoffen:
- Die Werften wollen schlüsselfertige Lösungen für komplette Baugruppen erhalten, die eingebaut werden.
- Die Schnittstellen zwischen Faserverbund und Stahl müssen beherrscht werden.
- Angesichts kleiner Serien nehmen Design und Prototypen einen hohen Kostenanteil ein.
- Drucktanks für neue Treibstoffe sind gefordert.
- Metallstrukturen können nicht 1 zu 1 übernommen werden – sondern die Werkstoffvorteile z. B. für Funktionsintegration genutzt werden.
Technologien mit Verbundwerkstoffen können in den Arbeitsgruppen der Werften vorgestellt werden.
Referent: Jon Steinlein, MariLight.Net / VSM – Verband für Schiffbau und Meerestechnik e. V.
Selbsttragende und radarabschirmende Strukturen für maritime Anwendungen
Die Firma COMPOSYST hat eine weltweite Spitzenposition beim Vacuum Assisted Process (VAP). Mit ihren radarabsorbierenden Materialien macht das Unternehmen U-Boote unsichtbar. Die Werkstoffe bieten darüber hinaus ein breites Spektrum an Vorteilen wie Leichtbau, Steifigkeit und Korrosionsbeständigkeit, die im Marineschiffbau gefragt sind.
Radarabschirmung kommt bei Antennen und Überwasserbauteilen von U-Booten zur Anwendung, weil diese beim Auftauchen leicht detektiert werden können. Masten und Aufbauten aus Metall wurden zunächst mit radarabschirmenden Laminaten verkleidet und heute teilweise durch Verbundstrukturen ersetzt. Leichtbau senkt dabei den Schwerpunkt und verbessert die Akustiksignatur. VAP bietet bei Laminaten homogene Bauteildicken und eine gute und reproduzierbare Radarabschirmung. Das Unternehmen hat seine Kompetenzen aus der Luftfahrt für Marineanwendungen genutzt und steht flexibel für Demonstrationsanwendungen zur Verfügung.
Referent: Dr.-Ing. Daniel Fernández, R&D Manager, COMPOSYST GmbH
Polymerverbundwerkstoffe in spezialisierten Anwendungen der maritimen Verteidigung
GoForLite ist ein Full-Service-Spezialist für Multi-Material-Leichtbau-Lösungen in Kunststoff-, Faserverbund- und Hybrid-Bauweise. Das Unternehmen unterstützt seine Kunden von der Idee bis zur Serie. Seit fast zwei Jahrzehnten beschäftigt sich das Unternehmen mit hoch belasteten Bauteilen für die Marine-, Meeres- und Wasserbautechnik. An Radome von U-Booten werden in den letzten Jahren steigende Anforderungen gestellt. Dazu gehört die Schockresistenz bei Explosionen. Die Seewasseranforderungen werden durch Korrosions- und UV-Schutz erreicht. Das Unternehmen steht für Anfragen zur Verfügung.
Referent: Dr.-Ing. Markus Steffens, Geschäftsführer, GoForLite
Aus der Diskussion:
Der Marineschiffbau bietet für Verbundwerkstoffanwendungen aktuell größere Chancen als der zivile Schiffbau. Gegen Korrosion werden Glasfaserbeschichtungen oder spezielle Lackierungen genutzt. Feuchtigkeit war für Composyst in den vergangenen 20 Jahren nie ein Reklamationsgrund. Panzerung mit Sandwichstrukturen ist beim Marineschiffbau kein Thema – Schotts in den Rumpfstrukturen sollen ein rasches Sinken verhindern.
Die Aufzeichnung der Veranstaltung können Sie auf dem YouTube-Kanal des CU anschauen.
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Der nächste Termin unserer Reihe:
01. Juni 2026 „Verbundwerkstoff trifft Stromversorgung“ (14:00 Uhr, online)
Programm und Einladung finden Sie frühzeitig auf der CU-Internetseite.
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Dr. Heinz Kolz, CU West, heinz.kolz@composites-united.com
Dr. Thomas Heber, CU Ost, thomas.heber@composites-united.com
Leonie Weiblen, Ceramic Composites, leonie.weiblen@composites-united.com
Rolf Heusing, CU Nord, rolf.heusing@composites-united.com

















