Im monatlichen „Jour Fixe“ der Cluster CU West und CU Bau des Composites United e. V. stellen Unternehmen und Einrichtungen ihre Technologien oder Projekte zu einem aktuellen Thema vor. Beim Jour fixe „Verbundwerkstoffe: Innovationstreiber in der Baubranche“ am 19. Januar 2026 beteiligten sich 40 CU-Mitglieder und Gäste. Dr. Barbara Güttler vom Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe führte in das Thema ein und leitete die anschließende Diskussion.
„Verbundwerkstoffe bieten in der Baubranche vielfältige Möglichkeiten, vor allem durch ihr geringes Gewicht, hohe Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit, was zu langlebigeren, wartungsärmeren und energieeffizienteren Lösungen führt. Der konsequente Einsatz von Carbonbeton würde mit geringeren Wandstärken den Betonverbrauch, damit den CO2-Ausstoß deutlich reduzieren“, so Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer von CU West, in seiner Begrüßung.
Im Rahmen des 36. Jour Fixe stellten folgende Unternehmen und Einrichtungen ihre Beiträge zum Thema vor:
Nichtmetallische Bewehrung – Klimaschutz trifft Wirtschaftlichkeit
Roy Thyroff stellte drei Beispiele für nichtmetallische Bewährung vor:
Die Bachverrohrung unter einer Straße war marode. Statt die Straße aufzureißen, konnten die Rohre mit einer dünnen Carbonbetonauflage saniert und dadurch deutlich Zeit und Kosten eingespart werden.
Eine Fußgängerbrücke wurde mit einem neuen Stahlskelett ausgestattet und der Steg leicht, umweltfreundlich und korrosionsbeständig mit carbonbewehrten Platten ausgelegt.
Bei der energetischen Sanierung der Universität der Künste in Berlin konnten die Fassadenplatten durch Carbonbeton ersetzt werden. Dadurch konnte deutlich Material eingespart, CO2 reduziert und die Aufhängung reduziert werden.
Seit einigen Jahren kann Stahlbeton kostenneutral durch Carbonbeton ersetzt werden. Roy Thyroff wünscht sich eine enge Zusammenarbeit für eine starke Carbonbetonlobby.
Referent: Roy Thyroff, rothycon CARBON BEWEHRUNG & Clustergeschäftsführer CU Bau
Nachhaltige Lösungen mit Carbonbewehrung und Betoninstandsetzung
Die vollflächige Instandsetzung von Parkhäusern und Industrieböden ist einer der Schwerpunkte des Unternehmens von Detlef Koch. Das Verfahren bietet deutliche Einsparungen an Kosten und Zeit. Die Analyse von Rissschäden und deren Beseitigung ist ein weiterer Schwerpunkt. Für die Schadensanalyse und die Entwicklung von Sanierungslösungen kann das Unternehmen ein erfahrenes Team an hoch qualifizierten Experten und Know-how aus einem Hause anbieten. Das Labor verfügt über alle notwendigen Anlagen, bis hin zu Röntgengerät und Simulationssoftware. Detlef Koch wünscht sich Anfragen bei der Sanierung von Autobahnbrücken, weil er zumindest eine Lebensdauerverlängerung für die Bauphase realisieren könnte. Das Unternehmen verfügt über ein breites Netzwerk, freut sich aber über weitere innovative Ansätze für die Betonsanierung.
Referent: Detlef Koch, Geschäftsführer, CC Koch Carbon Consulting
Lichtblick für innovative Lösungen durch die Nationalisierung der EU-Bauproduktenverordnung
Dr. Gabriele Gärtner bringt Erfahrungen aus der Materialwissenschaft und ihrer Tätigkeit bei Evonik ein. Schwerpunkte ihres Ingenieurbüros sind die Dimensionierung von Dämmstoffen (Wärme, Kälte und Schall) sowie die Bauschadensbegutachtung.
Die EU-Gebäuderichtlinie muss bis 2040 in nationales Recht überführt werden. Dabei wird erstmals nationales Recht in Form von Normen geschaffen, ohne dass ein Produkt entwickelt wurde. Das war bisher immer ein Problem: Wenn kein Produkt, dann keine Norm, und weil keine Norm kein Produkt.
Im digitalen Produktpass müssen künftig Produktmerkmale, Recyclingfähigkeit und Umweltauswirkungen dokumentiert werden.
Dr. Gabriele Gärtner wünscht sich ein starkes CU-Netzwerk, um die gesetzlichen Entwicklungen gemeinsam mitzugestalten.
Referentin: Dr. Gabriele Gärtner, Ingenieurbüro Gabriele Gärtner
Motiviert und nachhaltig – Kabelkanaldeckel mit nichtmetallischer Bewehrung als Beitrag zur klimafreundlichen Infrastruktur
Mit 85 Mitarbeitenden und 48.000 Jahrestonnen an Beton möchte das Unternehmen einen deutlichen Beitrag zur Innovation in der Baubranche leisten. Die Kabelkanäle entlang der Bahnstrecken werden als Notweg für Zuginsassen und von den Streckengehern genutzt. Die genormten Kanaldeckel aus Stahlbeton hatten einen hohen Sanierungsaufwand durch Korrosion. Die Alternative mit einer Bewehrung aus GFK-Gittern bietet eine lange Lebensdauer durch Korrosionsfreiheit sowie Gewichts- und CO2-Reduktion. Die Technik soll für weitere vergleichbare Aufgabenstellungen in Bereichen wie Telekommunikation, Energie und Industrie genutzt werden. Lars Lehmann freut sich auf Kooperationsangebote, um Innovationen in der Baubranche voranzubringen.
Referent: Lars Lehmann, Geschäftsführer, Köhler Beton
Diskussion unter der Leitung von:
Dr. Barbara Güttler, Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe
Bioverbundwerkstoffe in der Bauindustrie
Das Bauwesen, in Deutschland für 30 % der CO2-Emissionen verantwortlich, soll bis 2045 klimaneutral sein. Das wird sich ohne Alternativen zu Beton nicht realisieren lassen. Biobasierte Verbundwerkstoffe werden schon lange im Bausektor eingesetzt: als Dämmstoffe, Wood-Plastic-Composites und als Fassadenelement. Mit der Substitution konventioneller Baustoffe durch Biocomposites kann CO2 gespeichert werden. Naturfasern haben ein geringes Gewicht, eine gute Schalldämmung und sind umweltfreundlich. Nachteile sind die Feuchtigkeitsaufnahme, der Brandschutz und die etwas geringeren mechanischen Kennwerte im Vergleich zu Glas- und Kohlenstofffasern. Das IVW steht für Projekte, zum Einsatz von Faser-Kunststoff-Verbund im Bausektor zur Verfügung.
Referent: Hendrik Hahlbom, Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe
Aus der Diskussion:
Das Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe forscht entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Materialentwicklung über die Konstruktion bis hin zur Produktion von Demonstratoren. Die Schwerpunkte von Frau Dr. Barbara Güttler sind Bioverbundwerkstoffe, Recycling, Materialkreisläufe und Nachhaltigkeit.
Roy Thyroff: Wir müssen die Bauherren von kostengünstigen und nachhaltigen Möglichkeiten überzeugen, damit entsprechende Lösungen gefordert werden. Der Gesetzgeber muss die Baubranche zu Nachhaltigkeit zwingen.
Lars Lehmann: Andere Länder sind in der Umsetzung innovativer Lösungen schneller als Deutschland. Im Baltikum wird gerade CO2-neutraler Beton erprobt. Mein Traumprojekt für die Zukunft sind dünne Wandstärken mit nichtmetallischen Bewehrungen im Hochbau.
Dr. Gabriele Gärtner: In Deutschland scheinen Prozesse in diesem Thema komplizierter zu sein, als in anderen Ländern. Der CU muss seine guten Kontakte in die Politik bündeln und nutzen. Ökologische Lösungen können mit Naturfasern, Carbonfasern, GFK und auch mit Stahl realisiert werden.
Detlef Koch: Naturfasern sind für die Statik nicht darstellbar, weil keine Kennwerte verfügbar sind. Wenn Hochleistungswerkstoffe aus Biomaterialien entwickelt werden, ist deren Einsatz in der Baubranche denkbar. Ökoeffizienz im Bausektor stößt aktuell an seine Grenzen, die Forschung müsste dringend ausgebaut werden. Dazu müssen wir ganz oben in der Politik ansetzen und Leuchtturmprojekte realisieren.
Roy Thyroff: Wir sind in den letzten Jahren mit unserem Thema auf den Ulmer Betontagen weitergekommen. Wir müssen weiter pushen, das gilt besonders für den Einsatz von Carbonbeton im Bestand.
Diskussionsleitung: Dr. Barbara Güttler, Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe
Die Vorträge aus den jeweiligen Veranstaltungen sind für Mitglieder auf Carbon Connected verfügbar: https://www.carbon-connected.de/Group/CU.West/uebersicht
Ansprechpartner für Ihre Anliegen und die Veranstaltungsreihe ist Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer CU West: heinz.kolz@composites-united.com















