Im monatlichen „Jour Fixe“ des Clusters CU West des Composites United e. V. stellen Unternehmen und Einrichtungen ihre Technologien oder Projekte zu einem aktuellen Thema vor. Beim Jour Fixe „Technologien neuer Mitglieder vor der JEC“ am 16. Februar 2026 stellten neue CU-Mitgliedsunternehmen ihre aktuellen Entwicklungen vor. An der Online-Veranstaltung nahmen 25 CU-Mitglieder und Gäste teil. Dr.-Ing. Markus Steffens (GoForLite – Intelligent Lightweight Solutions) führte in das Thema ein und leitete die anschließende Diskussion.

„Wir freuen uns Ihnen heute vier neue Mitglieder und deren Technologien vorstellen zu können. Unsere „Neuen“ bringen Technologien mit, die sowohl die Branche wie unsere Mitglieder voranbringen werden. Neue und innovative Unternehmen sind wie eine „Frischzellenkur“ für unser Netzwerk. Mit dem heutigen Jour fixe möchten wir zu einer raschen Vernetzung der Neuen beitragen. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich im Anschluss an dieses Event Kooperationsgespräche ergeben“, so Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer von CU West, in seiner Begrüßung. 

Im Rahmen des 37. Jour Fixe stellten sich folgende Unternehmen und Einrichtungen vor:

Messrobotic für hochpräzise Qualitätsprüfungen, virtuelle Simulation, mobile und stationäre Ausführung der Prüfaufgaben

Battenberg ROBOTIC entwickelt seit 1996 sensorgesteuerte Robotersysteme. Zum Portfolio zählen sowohl stationäre Anlagen als auch mobile Robotersysteme, die komplexe Messaufgaben im Raum flexibel und reproduzierbar ausführen.

Ein zentrales Anwendungsfeld liegt in der Automobilindustrie: So übernehmen die Systeme unter anderem das automatisierte Öffnen und Schließen von Fahrzeugtüren bei definierten Geschwindigkeiten oder aus variierenden Positionen – beispielsweise gesteuert per Smartphone. Bei Steifigkeitsmessungen an Fahrzeugstrukturen wird die Eigenelastizität des Roboters systemseitig kompensiert, um valide und belastbare Messergebnisse zu gewährleisten.

Durch die direkte Anbindung der Roboterdaten an virtuelle Simulationen lassen sich Entwicklungs- und Prüfprozesse deutlich effizienter gestalten – Zeitersparnisse sowie Kosteneinsparungen von bis zu 40 % sind realisierbar. Auch in der Luftfahrt kommen die Lösungen zum Einsatz, etwa bei der Prüfung von Hubschrauberschalen.

Herr Battenberg und sein Team unterstützen unterschiedlichste Aufgabenstellungen in der Qualitätsprüfung – einschließlich materialbezogener Fragestellungen.

Referent: Günther Battenberg, Managing Director, Battenberg ROBOTIC GmbH & Co. KG

rCF in Serienanwendungen: Industriell erprobt – ökonomisch und energieeffizient recycelt

Carbon Fiber Conversion hat sich auf die industrielle Aufbereitung von recycelten Carbonfasern (rCF) für Serienanwendungen spezialisiert. Im vergangenen Jahr verarbeitete das Unternehmen rund 1.000 Tonnen Carbonfaser-Abschnitte im industriellen Maßstab. Die zugrunde liegende Prozesslösung wurde ursprünglich auf Basis von Produktionsabfällen aus der BMW-Fertigung entwickelt und konsequent zur Serienreife weiterentwickelt. Das Ergebnis ist ein ökonomisch wie energetisch effizientes Recyclingverfahren mit signifikant reduziertem Carbon Footprint. Gegenüber Neufasern aus China erzielt das Unternehmen einen Preisvorteil von rund 50 %. Bei geeigneter Ausgangsqualität des Materials erreichen die recycelten Fasern mechanische Eigenschaften, die nahezu an das Niveau von Virgin-Fasern heranreichen. Damit positioniert sich rCF als attraktive Alternative für anspruchsvolle Automotive-Anwendungen, in denen das Material bereits überwiegend eingesetzt wird. Zur weiteren Optimierung der Wertschöpfungskette sucht Dr. Sittel-Faraj gezielt Partner für die Verdichtung der Fasern sowie zur Reduzierung von Feinstaubanteilen im Prozess.

Referent: Dr.-Ing. Marcel Sittel-Faraj, Geschäftsführer, Carbon Fiber Conversions GmbH

Recycling von Carbonfasern (© Carbon Fiber Conversions GmbH)

Selbsttragende und radarabschirmende Strukturen für Defense-Anwendungen

Composyst ist mit seiner VAP-Technologie (Vacuum Assisted Process) in unterschiedlichen Industriebereichen aktiv. Neben Anwendungen in kostensensiblen Märkten wie der Windenergie liegt ein besonderer Schwerpunkt auf selbsttragenden und radarabschirmenden Strukturen für militärische Anwendungen.

Die VAP-Technologie basiert auf einem offenen Werkzeug in Kombination mit einer gasdurchlässigen Membran. Dieses Verfahren ermöglicht eine präzise Berechnung und verlustfreie Dosierung des Harzes. Das Ergebnis sind Bauteile mit geringen Fertigungstoleranzen, hoher Reproduzierbarkeit und deutlich reduziertem Ausschuss. Dank mehr als 15 Jahren Erfahrung erfüllt das Unternehmen Qualitätsanforderungen auf Luftfahrtniveau.

Im maritimen Defense-Bereich spielt die Radar-Signatur eine entscheidende Rolle: Beim Auftauchen können U-Boote insbesondere über ihre Mastsysteme radarerfasst werden. Metallische Strukturen werden daher mit radarabschirmenden Faserverbundlaminaten verkleidet oder zunehmend vollständig durch Verbundwerkstoffe ersetzt. Neben der Reduzierung der Radarreflexion ermöglichen diese Lösungen auch konstruktive Vorteile, etwa geringere Kosten und eine verbesserte Stabilität durch einen niedrigeren Schwerpunkt.

Die spezifischen Reflexionsanforderungen werden im Vorfeld anhand von Testplatten validiert und materialseitig exakt eingestellt. Vor dem Hintergrund steigender militärischer Bedarfe sucht Composyst gezielt Produktionspartner – unter anderem für die Fertigung sowie die anspruchsvolle Beschichtung von U-Boot-Komponenten.

Referent: Dr. Daniel Fernández, Manager R&D, Composyst GmbH

Vacuum Assisted Process - VAP (© Composyst GmbH)

GRAM (Gradel Robotic Additive Manufacturing) – The lightest way to build composite structures

Mit GRAM (Gradel Robotic Additive Manufacturing) verfolgen Gradel und Gradel Light Weight an ihren Standorten in Luxemburg einen innovativen Ansatz zur Herstellung besonders leichter Faserverbundstrukturen. Das robotergestützte Fertigungsverfahren ermöglicht die automatisierte Wicklung von Fasern über frei im Raum positionierte Metallpins und eröffnet damit neue konstruktive Freiheitsgrade im Leichtbau.

Zum Einsatz kommen unterschiedliche Faser- und Harzsysteme. Die Fasern werden durch ein Harzbad geführt und anschließend präzise abgelegt. Mehrere Roboter können synchron an einer Struktur arbeiten, was sowohl komplexe Geometrien als auch eine hohe Prozessgeschwindigkeit erlaubt. Die Aushärtung der Bauteile erfolgt im Ofen – ohne zusätzliche Formwerkzeuge oder Hilfsmittel.

Das Verfahren eignet sich für anspruchsvolle Anwendungen in der Luftfahrt, für Drohnenstrukturen, Wasserstofftanks sowie Raumfahrtprojekte. Darüber hinaus wurden bereits Paletten gefertigt, deren Gewicht nur einen Bruchteil konventioneller Holzpaletten beträgt – bei gleichzeitig hoher struktureller Leistungsfähigkeit.

Herr Bottler sucht Partner für innovative Entwicklungsfelder und strebt die Beteiligung an weiteren Entwicklungsprojekten an, um das Potenzial der additiven Faserverbundfertigung weiter auszubauen.

Referent: Oliver Bottler, Head of Business & Product Development, GRADEL Light Weight

Diskussion unter der Leitung von:

Dr.-Ing. Markus Steffens, Geschäftsführer von GoForLite – Intelligent Lightweight Solutions, ist ein Full-Service-Spezialist für Multi-Material-Leichtbau-Lösungen in Kunststoff-, Faserverbund- und Hybrid-Bauweise. Das Unternehmen von Dr. Steffens unterstützt seine Kunden von der Idee bis zur Serie.

  • Daniel Fernandez: Die VAP-Technologie bietet Qualitäts- und Kostenvorteile, weil das Faservolumen exakt berechnet wird. In der kostensensiblen Windkraft werden Materialverluste, insbesondere durch Ausschuss, nicht toleriert. In der Luftfahrt können Teile ohne große geschlossene Werkzeuge hergestellt werden. Die Laminatdichte bei radarabschirmenden Materialien richtet sich nach Anforderungen, Kosten und Gewicht.
  • Marcel Sittel-Faraj: Carbon Fiber Conversions verarbeitet nur Fasern, die nicht imprägniert sind. Die Materialverfügbarkeit ist gut, weil andere Verarbeiter sich angesichts der gesunkenen Faserpreise aus diesem Geschäft zurückziehen. Eine höhere Qualität wird angesichts der aktuellen Automotive-Anforderungen nicht angestrebt.
  • Oliver Bottler: Gradel produziert große Bauteile für die Raumfahrt und Serien zwischen 5 und 10.000 Teilen. Das Unternehmen hat vier Säulen: R&D – insbesondere in der Raumfahrt, Demonstratoren, Gradel-Maschinen und Serienfertigung.

 

Die Vorträge aus den jeweiligen Veranstaltungen sind für Mitglieder auf Carbon Connected verfügbar: https://www.carbon-connected.de/Group/CU.West/uebersicht 

Ansprechpartner für Ihre Anliegen und die Veranstaltungsreihe ist Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer CU West: heinz.kolz@composites-united.com