Neubau des DLR-Instituts für Test und Simulation für Gasturbinen in Augsburg eröffnet
- DLR eröffnet neues Institutsgebäude in Augsburg mit einzigartigem Testlabor für Triebwerksinnovationen.
- Herzstück sind Versuchsanlagen mit weltweit einzigartigen, digital vernetzten Komponenten-Prüfständen.
- Für das klimaverträgliche Fliegen ist es notwendig, Gasturbinen für den Einsatz neuer Brennstoffe zu entwickeln und die Effizienz weiter zu steigern.
- Schwerpunkte: Luftfahrt, klimaverträgliches Fliegen, Digitalisierung
Gasturbinen der Zukunft verschaffen Flugzeugen den Schub beim klimaverträglichen Fliegen – so die Vision im Neubau des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Augsburg. Mit Einblicken in die aktuellen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten hat das DLR-Institut für Test und Simulation für Gasturbinen am 25. März 2025 seine neue Heimat eröffnet. Herzstück des Institutsgebäudes sind Versuchsanlagen mit weltweit einzigartigen, digital vernetzten Komponenten-Prüfständen. Ergänzt wird das Testzentrum durch den Aufbau einer durchgängigen Digital-Plattform, dem virtuellen Triebwerk.
Die feierliche Eröffnung mit rund 60 Gästen aus Industrie, Forschung und Politik erfolgte durch Dr. Markus Fischer, Bereichsvorstandsmitglied Luftfahrt des DLR, gemeinsam mit Tobias Gotthardt, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, sowie Prof. Sabine Ardey, Direktorin des DLR-Instituts für Test und Simulation für Gasturbinen.
„Ich freue mich, dass wir mit dem neuen Institutsgebäude in Augsburg gleichzeitig ein einzigartiges Testlabor für Triebwerksinnovationen eröffnen. Es ist unser Forschungsauftrag und eine gesellschaftliche Verantwortung, klimaverträgliche und wirtschaftlich effiziente Antriebstechnologien zu entwickeln. Mit den neuen Anlagen kann das DLR-Institut für Test und Simulation für Gasturbinen sein volles Potenzial dazu entfalten und die Digitalisierung der Luftfahrt noch stärker vorantreiben.“

Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR
Lebensdauer präzise und verlässlich vorhersagen
„Forschungsallee 1“ lautet die neue Adresse des DLR-Instituts. Spitzenforschung ist hier Programm. Das Institutsgebäude beherbergt neben Büros und Laboren eine Versuchshalle mit unterschiedlichen, sich komplementär ergänzenden Prüfmaschinen, die digital miteinander vernetzt sind. Weltweit einzigartig sind die Lebensdauer-Prüfanlagen für Bauteile unter realen Gasturbinen-Bedingungen. Mit den sogenannten MTC-Prüfständen können die Testobjekte in Langzeittests gleichzeitig extremen mechanischen, thermischen und chemischen Belastungen ausgesetzt werden. Mithilfe dieser MTC-Prüfstände lässt sich die Lebensdauer von Triebwerkskomponenten noch präziser und verlässlicher bestimmen.
Einzigartige Testbedingungen für Industrie und Forschung
Die in den Prüfständen erzielten Versuchsergebnisse werden synchron auch in einem digitalen Zwilling abgebildet. Dadurch lässt sich bereits versuchsbegleitend das Verhalten simulieren und validieren. Zudem entwickeln die Augsburger in einem weiteren Forschungsschwerpunkt numerische Methoden und Simulationsmodelle, die die Vorgänge in den Komponenten präzise abbilden und ebenfalls in das „virtuelle Triebwerk“ integriert sind. Damit legen die Forschenden den Grundstein für verbesserte Auslegungsmethoden und eine weitere Optimierung von zukünftigen Gasturbinen.
Der Nutzen der Forschung liegt letztlich in der Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse. Deshalb ist eine enge Kooperation und ständiger Austausch mit der Industrie essenziell und wird schon seit der Gründung des DLR-Instituts für Test und Simulation für Gasturbinen intensiv gepflegt. So waren MTU Aero Engines und Siemens Energy bereits in die Definitionsphase des Instituts eingebunden. Zahlreiche Partner wie zum Beispiel Rolls-Royce Deutschland sind seitdem dazugekommen. In den Partnerschaften stehen gemeinsame Arbeiten und der Wissenstransfer wie auch die Ausbildung neuer Spitzenkräfte für die Industrie im Fokus.
Nachhaltig forschen
Gasturbinen sind ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende, weil sie in großem Stil die Rückumwandlung von chemisch gespeicherter, regenerativ erzeugter Energie in mechanische und elektrische Leistung ermöglichen. Das gilt zum Beispiel für Wasserstoff, Ammoniak und nachhaltige Flugzeugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF). Die Gasturbine zeichnet sich dadurch aus, besonders effizient, kompakt und robust zu sein. Für das klimaverträgliche Fliegen von morgen ist es notwendig, die Effizienz weiter zu steigern und die neuen Brennstoffe in den Einsatz zu bringen. Dies erfordert neuartige Technologien, Werkstoffe und Bauweisen, die die Forschenden in Augsburg gezielt entwickeln und nun virtuell wie auch physisch testen können.
Die Frage der Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit beschränkt sich nicht nur auf die Forschungsarbeiten. Der viergeschossige Neubau des DLR besitzt daher eine ökoeffiziente Energieversorgung: Auf dem Institutsgelände sind insgesamt sechs Brunnen angelegt, die Erdwärme und -kälte gewinnen. Damit wird die Prozesskälte für die Prüfstände wie auch ein Großteil der Heizenergie bereitgestellt – ressourcenschonend, nachhaltig und kostengünstig.
Der Aufbau des Gebäudes und der Versuchsanlage wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert.







Kontakt:
Bernadette Jung