Im monatlichen „Jour Fixe“ des Clusters CU West stellen Unternehmen und Einrichtungen ihre Technologien oder Projekte zu einem aktuellen Thema vor. Am 20. April 2026 drehte sich alles um das Thema „Mehr Effizienz durch Automation, digitale Zwillinge und Machine Learning?“. Dr.-Ing. Andreas Gebhard vom Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe (IVW) führte die rund 20 CU-Mitglieder und Gäste in das Thema ein und leitete die anschließende Diskussion.
„Digitalisierung, Smart Manufacturing, lernende Maschinen und lasergestütztes Tapelegen sind Technologien unserer Referenten, um Produktionsprozesse intelligent und effizient zu gestalten. Die Digitalisierung stärkt die Wettbewerbsfähigkeit von Verbundprodukten. Wir zeigen Ihnen Technologien, mit denen Sie Ihre Produktion zukunftsorientiert entwickeln können“, so Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer von CU West, in seiner Begrüßung.
Im Rahmen des 39. Jour Fixe stellten folgende Unternehmen und Einrichtungen ihre Beiträge zum Thema vor:
Hochratenfähige Composite-Fertigung durch Smart Manufacturing
SWSM unterstützt mit seiner CAM-Software die vorläufige Fertigungsplanung, die Belegplanung von Anlagen und die strukturelle Überprüfung. Aus der Analyse der Daten und der anschließenden Planung können Taktzeiten und Qualität entwickelt sowie Zeit eingespart werden. Digitale Zwillinge simulieren und optimieren Prozesse, indem sie Daten, Prozesssensorik und Benchmarkdaten nutzen. Das Unternehmen unterstützt ein breites Spektrum an Produktionsanwendungen. SWMS bietet Maschinenbauern und Endanwendern seine Unterstützung an und ist immer wieder als Vermittler zwischen den Partnern tätig.
Referent: Ingo Schlalos, Geschäftsführung, SWMS Systemtechnik Ingenieurgesellschaft mbH
Digitale Technologien zur Qualitätssicherung und Prozessoptimierung für Faserverbundbauteile
FFT, ein weltweit tätiger Anlagenbauer, hatte seinen Schwerpunkt in der Automobilindustrie und ist heute in weiteren Branchen wie der Luftfahrt tätig. Anlagenbau ist immer wieder auch mit Fabrikplanung verbunden. Softwarelösungen, die für Anlagen eingesetzt werden, und Services sind weitere Standbeine des Unternehmens. Digitale Prozesse mit Bildverarbeitung werden in der Automobilindustrie beispielsweise für die Spaltmaßermittlung und das virtuelle Testing genutzt. Für CFK-Produktionen werden kleine Roboter und steife CFK-Vorrichtungen eingesetzt, um eine hohe Präzision zu erreichen. FFT ist an LuFo-Projekten mit hohen Ablagegenauigkeiten beteiligt. Die Sammlung, Auswertung und Bereitstellung von Produktionsdaten haben heute eine große Bedeutung. Das Unternehmen wünscht sich weitere Kooperationspartner aus Branchen, die bisher nicht im Fokus stehen.
Referent: Philip Schwanemann, FFT Produktionssysteme GmbH & Co. KG
Lernende Maschine mit THERMAL WATCH
Eurotherm und Watlow sind für Branchen wie Pharma, Lebensmittel, Medizin, Marine und Luftfahrt tätig. Thomas Rücker ist verantwortlich für die Einhaltung von Regularien und die Auditierung in der Luftfahrt und der Wärmebehandlung. Eurotherm und Watlow haben vier Schwerpunkte:
- Thermische Regelung mit hoher Genauigkeit und Zuverlässigkeit
- Datenaufzeichnung zur Prozesssteuerung
- Leistungsregelung von elektrisch beheizten Anlagen
- Datenlogger, mit denen vorhandene Anlagen zu lernenden Maschinen entwickelt werden
Referent: Thomas Rücker, Senior Sales Executive HT/CFO WATLOW, Independent Instructor PRI, Eurotherm Germany
Digitalisierung beim laserunterstützten Thermoplast-Tapelegen
Conbility hat, als Spin-off der TU Aachen, Tapelegetechnologien aus der Hochschule zur industriellen Reife weiterentwickelt. Neue Anlagen bieten Wickeln, Tapelegen und 3D-Drucken hintereinander und in unterschiedlicher Reihenfolge. Die Unternehmenssoftware zur KI-gestützte Fehlererkennung soll 95 % fehlerfreie Produkte liefern. Das Unternehmen ist gut im CU und in weitere Netzwerke integriert, sucht darüber hinaus aber immer nach Partnern für F&E-Projekte.
Referent: Dr.-Ing. Markus Breiing, Head of Business Development, Conbility GmbH
Kameragestützte in-situ-Qualitätssicherung in der SMC-Herstellung
SMC-Halbzeuge sind mit 200.000 t/Jahr und mit 20 % an der CFK-Produktion beteiligt. SMC-Halbzeuge werden hergestellt, indem Rovings in Produktionsanlagen zu Schnipseln geschnitten und in einem stochastischen Prozess auf eine mit Harz beschichtete Folie aufgebracht werden. Am IVW wird ein kamerabasiertes Verfahren entwickelt, welches die Ablage der Schnipsel erfasst, daraus dreidimensionale digitale Zwillinge des produzierten Halbzeugs erstellt und somit eine in-situ Qualitätssicherung hinsichtlich Faserorientierungsverteilung und Faservolumengehalts ermöglicht. Die Digitalisierung von SMC-Halbzeugen soll künftig Abnehmern die Möglichkeit bieten, die Eignung einzelner Halbzeuge für die jeweilige Weiterverarbeitung zielgenau anhand dieser digitalen Zwillinge auswählen zu können. Auch die punktuelle automatisierte Nacharbeit, z. B. durch einfache Industrieroboter steht mit diesem Verfahren in Aussicht. Dr. Gebhard möchte die aktuell auf C-Faser-Halbzeuge beschränkte Methode auch auf Glasfaser-Halbzeuge ausweiten. Er steht als Kooperationspartner sowohl für weitere Grundlagenforschung als auch für industrielle Anwendungen des Verfahrens zur Verfügung.
Referent: Dr.-Ing. Andreas Gebhard, Programmbereichsleiter Digitalisierung am Leibniz-Institut für Verbundwerksstoffe (IVW)
Aus der Diskussion (Leitung Dr.-Ing. Andreas Gebhard, IVW):
Dr. Markus Breiing: Die detektierten Fehler werden aktuell noch nicht von Conbility-Kunden dazu genutzt, um Bauteile auf ihre Tauglichkeit zu bewerten.
Philip Schwanemann bestätigt diesen Eindruck: Die Daten werden aktuell noch nicht dazu genutzt, Ausschuss zu bestimmen.
Ralf Cuntze: KI-Tools liefern Analysen. Die Qualitätsverantwortlichen benötigen für ihre Entscheidung eine automatisierte Festigkeitsprognose. Wie werden sich die KI-Modelle für große Datenmengen entwickeln?
Dr.-Ing. Andreas Gebhard: ML-Surrogat-Modelle sind am aussichtsreichsten, weil sie die kurzen Inferenzzeiten bieten, die man für die Echtzeit-Eigenschaftsvorhersage aufgrund von gemessenen Prozessdaten braucht. Aber sie sind nur so gut wie die zugrunde liegenden Trainingsdaten und die physikalische Abdeckung des Parameterraums. Insbesondere bei sicherheitskritischen Anwendungen wie der Bauteilbewertung in der SMC-Herstellung bleibt die Frage der Generalisierbarkeit entscheidend, da Extrapolationen außerhalb des trainierten Datenbereichs zu unzuverlässigen Vorhersagen führen können.
Ansprechpartner für Ihre Anliegen und die Veranstaltungsreihe ist Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer CU West: heinz.kolz@composites-united.com

















